Die Stadttaube

Wildtier oder Haustier?

Sie sehen zwar ähnlich wie ihre gefiederten wilden Artgenossen aus, doch sind Stadttauben keine Wildtiere. Stadttauben müssen von Wildtauben unterschieden werden, denn der baumbrütende Wildvogel ist größer und wesentlich scheuer. Die Stadttaube hingegen ist kein Wildvogel, sondern ein verwildertes Haustier, und somit mit einer streunenden Katze oder Hund vergleichbar.

Die Geschichte der Stadttauben

Die Taube hatte schon immer eine symbolische Bedeutung für den Menschen und man findet sie in vielen Geschichts- und Religionsbüchern wieder. So findet man sie bereits vor Jahrhunderten von Jahren in der Antike als Symbol für die Unschuld und Sanftmut oder im alten Indien verehrt als Seelenvogel. Auch verkündet im alten Testament eine Taube mit einem Ölzweig im Schnabel den Überlebenden der Arche Noah das Ende der Sinnflut. In unserem alltäglichen Leben taucht sie auch immer wieder als Symbol des Friedens, der Liebe und Treue auf.

Doch auch die Zucht von Tauben als Nutztiere hat für den Menschen große Bedeutung. Ob als Ei-, Fleisch- und Feder- oder Dunglieferant, als Übermittler von wichtigen Botschaften im zweiten Weltkrieg oder als Sportgerät bei Brieftaubenreisen… damals wie heute hatte die Taube eine Bedeutung für den Menschen. Sie wurden für ihre Zwecke weiter gekreuzt und gezüchtet und wurden vom Menschen abhängig. Tauben gelten somit als erster domestizierter Vogel.

Leider verliert die Taube in der heutigen Gesellschaft immer mehr an positiven Symbolcharakter und wird umgangssprachlich als “Ratte der Lüfte” bezeichnet.

Die Stadttaube

Stadttauben stammen von verwilderten Tauben, wie entflogenen Haus- und Rassetauben sowie ausgebliebenen Brieftauben ab (Tierärztliche Hochschule Hannover 1995/96) und haben ihren Lebensraum in den Städten wiedergefunden. Betrachtet man die Stadttaubenschwärme fallen einem immer wieder die unterschiedlichen Farbmuster der Tauben auf. Manche haben Federn an den Füßen (ehem. „belatschte“ Rassen), manche sind partiell weiß (ehem. Hochzeitstauben) oder sie sind gescheckt, gehämmert oder haben eine blaue Färbung. In ihrem Erscheinungsbild sind sie einmalig – und genauso reich ist ihr Vermögen zu empfinden und zu leiden.

Lebensraum

Nicht nur verlassene Gebäude, auch Hausvorsprünge oder Dächer dienen als perfekten Standort für ein Taubenleben. Stadttauben sind äußerst standorttreu. Haben sie einmmal einen Platz gefunden, wird dieser als fester Brut- und Sitzplatz verwendet. Auch Fressplätze sind nur wenige hundert Meter vom Brut- und Sitzplatz entfernt.

Futter

Auf dem Speiseplan bevorzugen Stadttauben ebenso wie ihre wilden Verwandten Hartkörner wie Mais, Weizen und Erbsen. Pizza, Pommes oder Brot steht nicht auf dem Speiseplan, werden jedoch gefressen da die Stadt den Tauben kaum eine Möglichkeit für eine artgerechte Ernährung bietet. Meist haben die Tiere auch keine andere Wahl, wenn sie nicht verhungern möchten. Bietet man aber artgerechtes Futter an, wie z.B. in betreuten Stadttaubenschlägen, so bevorzugen sie das Körnerfutter und lassen herumliegende Essensreste unberührt.

Vermehrung

Taubenmädchen legen bis zu sieben Mal im Jahr ein Gelege aus zwei Eiern und sind somit wahre “Brutmaschinen”. Nach der Eiablage dauert die Brutzeit ca 18 Tage. Die geschlüpften Küken werden im Nachgang bis zu 25 Tage von den Eltern versorgt bis sie selbst auf Partnersuche gehen können. 

Der Ursprung der hohen Brutaktivität liegt in der jahrhunderten langen Zucht des Menschens. Sie wurden gezüchtet um leistungsstark zu brüten. Ein gutes oder schlechtes Futterangebot, Sommer- oder Wintermonate sowie eine natürliche oder unnatürliche Umgebung sind dabei zweitrangig.

Taubenbabys von Stadttauben

Lebenserwartung

Tauben haben eine natürliche Lebenserwartung von bis zu 12 Jahren, jedoch nicht, wenn sie als Stadttauben geboren werden. Grob lässt sich sagen, dass erwachsene Stadttauben nur eine Lebenserwartung von bis zu 3 Jahren haben. 

Leider haben nur 10% der Stadttauben das Glück bis zu 3 Jahre alt zu werden, denn die meisten Jungtauben überleben das erste Lebensjahr nicht. Die Jungensterblichkeit liegt somit bei ca. 90%.